spiritgap.de | Horchen und Gehorsam – auf wen hörst DU?
For the Win.
19. Juli 2017

Horchen und Gehorsam – auf wen hörst DU?

 

Druck auf dem Ohr – es fühlt sich an wie verstopft und schmerzt ein wenig. Der Hausarzt – freundlich reinlinsend – stellt fest: „Entzündung.“

Weil ich ein großer Fan der Symptomdeutungen nach Dr. Dahlke* bin, schlage ich gleich mal nach:

Ohrenentzündung, Deutung nach mymedworld.

Ohrenentzündung: Deutung nach mymedworld.

 

Ich kann’s nicht mehr hören!

 

So schwer es mir auch manchmal fällt, es zuzugeben – ich habe noch nie erlebt, dass diese Deutungen im Kern nicht irgendeinen springenden Punkt getroffen hätten.

 

Was also kann ich nicht mehr hören?

Was will ich nicht hören?

Wem mag ich horchen und wem nicht (mehr) gehorchen?

 

Zunächst einmal kann ich vor allem eins nicht mehr hören:
Und zwar wem ich zuhören „darf“ und wem nicht…

 

Der Informationskrieg

 

Zu keinem anderen Zeitpunkt in der (uns bekannten) Geschichte der Menschheit, war Information in solcher Fülle vorhanden und verfügbar. Und zu keinem anderen Zeitpunkt war die Deutungshoheit dermaßen zersplittert. Es tobt ein regelrechter Kampf um die Köpfe der Menschen. „Ich hab Recht!“ – „Nein, ich!“ – „Glaubt mir!“ – „Glaubt denen bloß nicht!“

Noch halten die sogenannten „Leitmedien“ die Stellung, aber das Eis wird dünn. Hauptsächlich, weil die Diskrepanz zwischen dem, was sie berichten – vor allem ihren Interpretationen – und der Eigenwahrnehmung an vielen Stellen offensichtlich wird. Da spricht ein ARD-Redakteur arrogant von ‚Freiheit‘ in diesem Land, während Hartz IV Empfänger gezwungen werden einen Vertrag zu unterschreiben, der ihnen das Verlassen der Stadt ohne ‚Abmeldung‘ verbietet.

Das ist nur ein kleines Beispiel. Es gibt noch viel mehr: Warum wird in Syrien Krieg geführt? Etwa weil Assad ein schlimmer Diktator ist, der dringend weggebombt gehört? Oder weil der IS sich sonst ausbreiten und die Weltherrschaft übernehmen würde? Oder wegen einer Pipeline? – Ich lass das mal so stehen. Schließlich sind wir hier nicht bei Jeopardy und jeder, der das hier lesen kann, kann auch googeln (oder youtuben).

 

Empathie im Lauschen

 

Noch nie war das genaue Hinhorchen mit Herz und Verstand so wichtig. Es gibt ihn nämlich schlichtweg nicht mehr, den festen Punkt des offiziellen, allgemein gültigen Narrativs. Hat es vielleicht auch nie gegeben. Schon immer haben Schriftgelehrte, Sprachforscher und Philosophen auf die Subjektivität und Biegsamkeit des Ausdrucks hingewiesen:

Sobald etwas gesagt wird, ist es bereits interpretiert. 

Das ist vielen nicht bewusst und manchen auch nicht verständlich – aber immer ‚mehreren‘ dämmert schlicht, dass das Fernsehen lügt. Was uns als Tatsachen verkauft werden soll, entpuppt sich oft genug als realitätsfern. Und immer mehr Menschen können ihre eigenen Beobachtungen nicht damit in Einklang bringen.

Was in der Zeitung steht, ist ungeprüft übernommen. Die Quellen machen sich verdächtig. Informationen aus den Zusammenhängen gerissen. Journalisten haben keine Zeit mehr, selbst zu recherchieren. Das alles ist allgemein bekannt.

Die Meinungen sind von einer Ideologie geprägt, die sich am besten als ‚political correctness‘ beschreiben lässt. Wie kommt die Meinung der Leitmedien zustande, deren Rahmen der gesellschaftliche Kontext längst sprengt? Und ich vermisse bestimmte Fragestellungen. Ich sehe die Unvollständigkeit, das Ausblenden bis hin zum Verunglimpfen bestimmter Standpunkte.

 

Pfui.

 

Einige Diskurse sind schlicht pfui. Entweder sie werden in eine Schublade gesteckt, die man mit der Kneifzange nicht anfassen möchte. Oder lächerlich gemacht oder sonstwie diskreditiert. Mit ihnen zusammen auch die Menschen, die sich den Tabus zum Trotz weiter in der Öffentlichkeit damit beschäftigen.

Soweit sind wir also gekommen in unserem achso-aufgeklärten Sein: Dass wir Denk- und Rede-Tabus dulden?

Ich sag’s ganz ehrlich: Das öffentlich rechtliche Programm und die sogenannten Leitmedien haben meinen Intellekt lange genug beleidigt. Dieser Eiertanz um die ‚richtige Meinung‘ ist unwürdig. Ich will einen lebendigen Diskurs, der mehr Fragen stellt als Antworten liefert. Der das Wesentliche zur Sprache bringt, statt sich in Details zu verlieren. Der auf Ideologie verzichtet und trotzdem Farbe bekennt.

 

Die guten ins Töpfchen…

 

Dieser lebendige Diskurs findet leider nur noch vereinzelt in den gewohnten Medien statt, auf Sparflamme sozusagen. Und dort wo er in seiner ganzen Pluralität und emotionalen Bandbreite tobt – dort ist die Schmuddelecke. Ja, ich sehe da eine Spaltung: Entweder bist du weiterhin ein braver Bildungsbürger und liest die ZEIT oder du bist mit den „Verschwörungstheoretikern“ im Bunde. Ganz krass gesagt. Na, Hallelujah! Was für eine Wahl…

Da gibt es anscheinend keinerlei Differenzierung mehr. Da zählt auch nicht die Aussage des Einzelnen (nicht mal mehr seine Aussagen in ihrer Gesamtheit!), sondern nur noch die Schublade, in die er gesteckt worden ist. Natürlich ist auch jeder, der ein „Verschwörungstheoretiker“ ist auch gleichzeitig ein Nazi und ein Populist und ein (Braun-)Esoteriker und ein Betrüger, hab ich etwas vergessen?

Das sind sie: Die Jugendverführer von heute, die den offiziellen Meinungsmarkt aufmischen wollen. Wofür schon Sokrates den Schierlingsbecher trinken musste, müssen heute Kündigung und Rufmord reichen. – Schließlich sind wir ein aufgeklärtes Land und haben keine Todesstrafe.

 

… die schlechten ins Kröpfchen

 

Man muss nicht jedem Recht geben, nur weil er gegen den Mainstream schwimmt. Vorsicht damit. Es kursieren genug urbane Legenden und abwegige Stories, die an Science-Fiction erinnern und weder beweisbar, noch widerlegbar sind. (Ihr Rahmenkonstrukt verhindert die Widerlegung, da der Widerspruch zur offiziellen Lesart Programm ist.)

Und es gibt extreme ideologische Haltungen, die ausgeblendet werden, weil sie für moderat orientierte Gemüter unerträglich sind. Nur da müsste man sich fragen, ob das wirklich so viel Sinn macht, sie einfach zu ignorieren. Denn genau diese Ignoranz führt letztlich zu einer ungesunden Zementierung…

Aber ist das ein Grund alle in Misskredit zu bringen, die unbequeme Fragen stellen? Bei bestimmten Themen Haltung zeigen und das offizielle Narrativ kritisieren?

 

Auf die innere Stimme hören

 

Interessanterweise ist mein linkes Ohr stärker von der Entzündung betroffen als das rechte. Da ich Rechtshänderin bin, bedeutet das, dass meine Beziehung zum Außen nicht so belastet ist wie die zu meinem Inneren.

Denn all die spannenden Auseinandersetzungen in der Welt können nur dann bewältigt werden – die Orientierung zwischen all den Kanälen kann nur dann funktionieren, wenn ein Kanal offen ist:

Der zum eigenen Herzen. Zur eigenen Intuition, zu der Stimme in mir.

***

Das an sich ist die wahre Rebellion. Von Kindheit an wird uns nämlich eingetrichtert, dass wir in uns keinen Gradmesser für das Wahre (ich sage mit Absicht nicht „die Wahrheit“!) tragen würden. Wir müssten rational werden und uns auf die Fakten verlassen, die uns von den dafür zuständigen Institutionen und Autoritäten serviert werden.

Aber was ist, wenn die „Fakten“ zu „Fakes“ werden? Wenn diejenigen, die sich eigentlich dazu berufen fühlen sollten, Fakten zu schaffen, sich stattdessen lieber für die „richtigen“ Interpretationen teuer bezahlen lassen? Was ist, wenn es nicht mehr um die Tatsachen geht, sondern um Macht?

 

Der Weg raus ist der Weg nach innen

 

Sich wieder darauf zu besinnen, was ich wirklich weiß und wissen kann. Meine eigenen Erfahrungen wert zu schätzen. Meinen eigenen Sinnen vertrauen lernen. Die Fremd- und der Eigenbestimmung zu scheiden.

Auch das kann ein ganzes Leben in Anspruch nehmen. Aber wenigstens ist es dann mein Leben. Und nicht irgendeins.

 

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