spiritgap.de | Kapitalismus und Systemkritik – der Teufel hat sich eingeschlichen
For the Win.
25. Juli 2017

Kapitalismus und Systemkritik – der Teufel hat sich eingeschlichen

 

„Es gibt Geld wie Dreck, es haben nur die falschen Leute.“

Heiner Geißler

 

Neulich auf Facebook, der Plattform für zügellose Assoziationen: Ein kurzes Interview-Schnipsel mit Hans-Jürgen Jakobs (Wem gehört die Welt?: Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus*) wandert auf meine Wand. „Da!“, denk ich, sogar im ‚Mainstream‘ sickert es schon durch!

Leute, wir müssen anfangen über Geld zu reden. Und zwar nicht immer nur über unser eigenes – meist nicht vorhandenes. Sondern über das Geld, welches als (gefühlt) kilometerlange Zahl auf irgendwelchen Konten vor sich hin gammelt. Ab und an muss es ‚gewendet‘ werden, anscheinend um nicht gänzlich zu verrotten – und das machen eben gigantische Investmentverwaltungsmaschinen wie Black Rock und Co.

*Ironiemodus an* Wo so viel Kapital fließt, gibt es aber bestimmt keine Machtansprüche! – Da werden sicherlich nur überzüchtete Sportwagen gekauft und jeden Tag Golf gespielt. Sonst nichts. *Ironiemodus aus*

 

Fremder Leute Geld geht mich nichts an

 

Prinzipiell ja. Aber: Diese Informationen sind wichtig und gehören dringend ins öffentliche Bewusstsein. Warum?

Zum einen rütteln sie unsere Maßstäbe zurecht. Im kollektiven Kopf hat sich eingebrannt, dass Geld ein knappes Gut sei und deshalb hart erkämpft werden müsse. Das stimmt schlichtweg nicht, im Gegenteil. Die Menge an Geld, die auf dem Planeten kursiert, steht in keinem Verhältnis mehr zu den tatsächlichen Werten, nämlich Produktions- und Sachgütern. – Böse Zungen sprechen von einem Faktor von 600:1.

5000€, so wollte mir ein junger Bankangestellter der Sparkasse vor einigen Jahren vermitteln, sei viel Geld. Damals war ich sprachlos, heute würde ich wahrscheinlich sanft nachfragen, ob er das tatsächlich ernst meine… 5000€ sind viel Geld für jemanden, der seine Lebenszeit für einen Mindestlohn von 8,50€ verhökern muss.

Hier leben Menschen in Parallelwelten – und diese Schieflage muss uns einfach bewusst werden. Wenn wir davon sprechen, dass die Arbeitslosen immer noch zu teuer wären oder die Kinder oder die Alten. – Unser Sozialsystem verrottet, das Bildungssystem kippt gerade hinterher und alte Menschen sammeln Flaschen. Das alles, weil angeblich kein Geld da ist. Aber das Geld ist da… es wird nur für andere Zwecke eingesetzt.

 

„Wer das Geld hat,
hat die Macht und wer die Macht hat,
hat das Recht.“

Ton Steine Scherben

 

Zum anderen wird hier die Fragilität unserer heiß geliebten Demokratie offensichtlich.

Ich empfinde es als fast schon schizophren wie wir uns einerseits an die Hoffnung klammern, dass die nächste Wahl alles ändern wird. Andererseits genau wissen, dass Wahlen verboten wären, wenn sie das tatsächlich täten.

Hier spielen „Die neuen Mächtigen“ in Gestalt der eingangs erwähnten Institutionen – mit der vollen RP- und Lobby-Power, die sie sich leisten können – mittlerweile die Musik. Kaum ein sog. Spitzenpolitiker wagt es aus der Reihe zu tanzen. Und viele Menschen finden die Musik zwar schlecht, aber die Stille gruselt sie noch viel mehr…

Es mangelt uns nicht an Geld, viel eher an Fantasie. Wir leben zwar vielleicht in der „besten aller möglichen Welten“, aber sicher nicht in dem besten aller möglichen Systeme. Wir brauchen dieses System eigentlich nur noch, damit wir verstehen lernen, warum das Abgeben von Verantwortung nicht funktioniert.

 

Der Teufel im Detail

 

Während ich also mit derlei Überlegungen schwanger ging, wurde mein Ruf erhört und beantwortet: Unter meinem Post erschien das Video mit einem ehemaligen Banker aus den Niederlanden. Ja, ich hatte von dem Mann und seinen Aussagen gehört, nutzte aber die Gelegenheit, mir selbst ein Bild zu machen.

Hier kann ich nur neutral bleiben und kurz schildern, was Ronald Bernard sagt: Es gibt eine globale Finanzelite, die gleichzeitig auch eine Machtelite ist. Deren Machenschaften sind kriminell. Da die (meisten?) Mitglieder dieser Elite dem Satanismus anhängen würden, gehöre auch der Mord an Kindern dazu. Außerdem sei das Zinssystem dazu angedacht, die Wertschöpfung an der Basis abzugraben und sämtliche Mittel in der Hand von einigen wenigen Individuen zu konzentrieren.

Das ist eine Zeugenaussage. Ob die geglaubt wird oder nicht, hängt ganz davon ab, wer sie hört.

 

Zweierlei paar Schuh‘

 

Ich persönlich tendiere dazu, soetwas weder zu glauben, noch nicht zu glauben. Ich lasse es stehen und bewerte es bewusst nicht. Bernard ist nicht der einzige, der einen Zusammenhang zwischen Machteliten und satanischen Kulten sieht…

Aber das ist ein anderer Diskurs.

Wenn wir über Black Rock reden, reden wir über Tatsachen. Das ist keine Spekulation. Diese Strukturen gibt es und wir müssen uns lediglich darüber klar werden, wie wir sie interpretieren wollen. (Einige Anregungen habe ich oben ja geliefert, die hervorragenden Nachdenkseiten liefern eine ganze Kategorie zur Thematik. Es gibt mittlerweile viele gute Interviews, die nichts zerstückeln und fragmentieren, sondern im Gegenteil versuchen hilfreiche Zusammenhänge darzustellen.)

Ganz zu schweigen davon das Geldsystem an sich zu hinterfragen. Darum geht’s doch. Oder?

 

Gruselig genug

 

Ich weiß nicht, wie’s euch geht, aber in meinen Augen ist ein globales Finanzkartell, das sich in seinen Wirkmechanismen verselbständigt hat und nun in Machtpositionen rückt, in denen es eigentlich nichts zu suchen hat, von wo aus es die Freiheit, das Wohl und das Leben von Millionen von Menschen gefährdet… gruselig genug.

Das müssen nicht auch noch alles kindermordende Satanisten sein.

Die Tatsachen an sich müssten reichen, um einen ernsthaften Diskurs vom Zaun zu brechen. Sie müssen nicht angereichert werden mit Spekulationen. Damit will ich Bernard nicht das Recht absprechen seine Zeugenaussage zu tätigen. Wenn es das ist, was er erlebt hat, ist es das. Viele Menschen haben viele fast unglaubliche und schreckliche Dinge zu erzählen im Netz.

Aber wir müssen uns entscheiden, worüber wir reden wollen. Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir die Kritik an Banken mit Satan in einen Topf schmeißen.

***

Ich bekenne mich zu einem gewissen Pragmatismus. Und zu einer unaufgeregten Logik: Sollte diese Satanismus-Kiste wirklich wahr sein, so wäre sie dadurch zu lösen, dass wir uns als kollektive Menschheit aus den konkreten, tatsächlich bestehenden Machtstrukturen lösen.

Sollte sie nicht wahr sein, umso besser.

Sollten wir uns jedoch lieber in Spekulation und Glaubensbekenntnissen verlieren, statt einen Diskurs auf Basis der uns offensichtlich zugänglichen Realität zu führen, dann ändert sich nichts. Nicht mal für uns selbst. Und das wäre schade. – Wir sollten uns hinterfragen, unser Verhältnis zu Geld, zu Demokratie und zu Macht. Denn das führt aus der Ohnmacht in die Selbstverantwortung. – Meine Frage ist einfach: Was lässt Dich ohnmächtig werden und was nicht? Sieh selbst.

 

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