spiritgap.de | Transhumanismus – der Mensch als Auslaufmodell?
For the Win.
16. Juli 2017

Transhumanismus – der Mensch als Auslaufmodell?

 

„Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit.“

Aldous Huxley

 

Er gilt als Zeitzeuge und Insider einer Agenda, die den Menschen als reines Produkt seiner biologischen Prozesse ansieht. Doch Aldous Huxley selbst – und ich kann das beurteilen, ich habe mich ausführlich mit seinem Werk beschäftigt – war kein Anhänger dieser Agenda. Vielmehr hat er Zeit seines Lebens die Stellung des Menschen im Universum – zwischen den ihm gesellschaftlich zugesprochenen Rollen von „Affe und Wesen“ – hinterfragt.

Der Transhumanismus ist m.E. eine logische Fortführung des Gedankens der Eugenik. Der Mensch soll nicht sich selbst vervollkommnen als Individuum, vielmehr soll er „vervollkommnet werden“ mittels eines mechanischen Eingriffs von außen, und zwar als Kollektiv.

 

Der von Natur aus böse Mensch

 

Diesem Plan (oder was auch immer das sein soll) liegt ein Menschenbild zugrunde, das uns als Spezies den gewalttätigen Raubtieren zuordnet, die einander „ein Wolf“ seien. (T. Hobbes) Und deswegen – so lernen es die Schulkinder – brauchen wir einen „Leviathan“, der das Gewaltmonopol inne hält und uns davon abhält, uns gegenseitig abzuschlachten.

Dabei haben die größten Schlachtungen schon immer unter der Führung „starker“ Imperien stattgefunden – aber das scheint irgendwie kaum jemandem aufzufallen. Und diejenigen, denen es auffällt, geraten komischerweise schnell in Misskredit, aktuelles Paradebeispiel: Daniele Ganser.

Die Kontrolle durch eine gesetzgebende und -durchsetzende Instanz ist also der erste Schritt. Der zweite ist eine unmittelbare „Verbesserung“ des Menschen selbst: intelligenter soll er vor allem werden. Damit er besser instande ist zu erkennen wo für ihn der Weg des geringsten Widerstands liegt. Außerdem auch effizienter und gefügiger, d.h. er soll sich besser in das ihm vorgegebene Umfeld einfügen und sich den Aufgaben, die man ihm zuweist, fügen.

 

Auf dem Weg nach Utopia

 

Die meisten dieser Bilder sind steril. Saubere, chrompolierte Flächen und mittendrin glückselige Halbgötter, die sich ihrer biologischen Schwächen entledigt haben. Sie haben Alter, Krankheit und Tod überwunden. Die einzigen Unterschiede zwischen ihnen bestehen in der Funktion.

In der perfekten Erfüllung seiner Aufgaben liegt das Heil des Maschinenmenschen. Endlich hat er seine Existenzberechtigung errungen. Er ist kein Schmarotzer mehr, der von der Natur profitiert – er hat sich über die Natur erhoben. Er ist ihrer nicht mehr bedürftig. Er ist der Gott in seinem eigenen, von ihm selbst erschaffenen, virtuellen Universum.

 

Agenda ad absurdum

 

Zurück zu Aldous Huxley, dessen Überlegungen zu diesem Thema mich lange begleitet haben. Er schrieb nicht nur die Schöne Neue Welt*, sondern auch Eiland*. In vielen Punkten ein Kind seiner Zeit und ein Enkel von „Darwins Bulldogge“ – und in anderen Punkten den Genossen weit voraus.

Der Mensch ist nicht von Natur aus böse. Und er ist auf seine Biologie nicht reduzierbar. Entsprechend wird jeder Versuch ihn mittels Social Engineering oder der Applikation von technologischer Manipulation zu kontrollieren, scheitern.

Die Seele ist ein schwer fassbares Mysterium. Und doch ist sie die wesentliche Instanz, die jedem Mensch zu eigen ihre eigene „Agenda“ verfolgt. Der Transhumanismus wird sich selbst früher oder später ad absurdum führen, weil er den Humanismus nicht verstanden hat. Er geht von falschen Grundannahmen aus. Darum kann seine Rechnung nicht aufgehen.

 

Wer sind wir und wie wollen wir leben?

 

Statt Alter, Krankheit und Tod, sollten wir versuchen den Mangel zu beseitigen. Den materiellen Mangel, den wir weder brauchen, noch nötig hätten und den Mangel im Geiste, der die Wurzel der meisten unserer Probleme bildet. (Und damit meine ich nicht unbedingt nur einen Mangel an formaler Intelligenz, sondern eine viel umfassendere Abstumpfung.)

Und dafür müssen wir endlich damit aufhören, uns einreden zu lassen, wir wären die Bösen, die Schlechten, die „Wölfe“, die es nicht auf die Reihe kriegen. Wölfe sind Rudeltiere und gehören mit zu den von Natur aus sozialsten Wesen auf diesem Planeten! – Hobbes hat sich geirrt, er hatte nicht das Bild der Wölfe untereinander vor sich, sondern die kirchlich forcierte Mär vom Schaf, das den Hirten nötig hat.

Der Mensch ist weder ein Wolf, noch ein Schaf. Er ist überhaupt – im engeren Sinne – kein Tier. Er ist eine inkarnierte Seele mit vollem Potential zur individuellen Bewusstwerdung.

 

Fazit:

— Wenn wir lernen können uns selbst und andere als ein solches (göttliches) Wesen zu erkennen, brauchen wir keinen Transhumanismus. Denn dann werden wir den Humanismus umsetzen und das genügt.

 

For the Win

 

Ein Tipp zum Schluss:

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