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For the Win.
26. Juni 2017

Was Spiritualität wirklich ist und was sie mit Deinem Alltag zu tun haben könnte

 

Kennst Du sie, jene Momente in Deinem Alltag, wo Du von Deiner Tätigkeit aufschaust – scheinbar abgelenkt – und Dich fragst: Was tu ich da eigentlich? Und wie bin ich in dieses Zimmer gekommen? Und wer ist das überhaupt, dieses ‚Ich‘?

Es klafft bei nicht wenigen Menschen ein Riss zwischen dem, was sie sind und dem, was sie tun. Und keiner von uns – weder Du, noch ich – kann sich von diesem „Tanz um den heißen Brei herum“ gänzlich freisprechen. Er scheint einen integralen Bestandteil unsres „in der Welt“-Seins – vielleicht sogar die Basis davon zu bilden. (Vielleicht müssen die Waldorfschüler deswegen ihren Namen tanzen lernen?)

 

Die Existentialisten sprechen von „in die Welt geworfen sein“.

 

Und so fühle ich mich manchmal auch: wie eine Flipperkugel, die überall wo sie aneckt „ding!“ macht. Als Gegengewicht dazu wählen immer mehr Menschen für sich die ein oder andere Form von geistiger ‚Disziplin‘, eine ’spirituelle Praxis‘. Was dann passiert, ist interessant: zu einem nicht geringen Prozentsatz mutiert die ‚Disziplin‘ rasch zur Unterhaltung und die ‚Praxis‘ bleibt reine Theorie.

Huch? Was ist denn da passiert?

Der Alltag hat uns verschluckt. Omnomnom. Unsere Lebensroutinen sind wie ein Karussel, das schlimmstenfalls seit unserem 15ten Lebensjahr die immer gleichen Melodien vor sich hindudelnd im Kreise eiert. Und ja, Dir ist auch schon ganz schlecht…

Aber wie kommt man da bloß raus? – Was soll man schon machen? – Man muss doch Geld verdienen. – Und die Kinder und das Haus und der Hund…

 

Was ist Spiritualität?

 

Es gibt nicht die eine Spiritualität. Es gibt im Grunde so viele ‚Spiritualität_en‘ wie es Menschen gibt, die sich als spirituell bezeichnen… Aber warum um Gottes willen sollte irgendjemand soetwas tun? Sind das nicht alles Spinner? Guru-Jünger? Esoterik-Freaks? Fakire?

Zum einen gibt es eine unscharfe, aber den ‚Eingeweihten‘ doch deutlich sichtbare Trennlinie zwischen Esoterik und Spiritualität. Zum anderen wird letztere immer gesellschaftsfähiger. Begriffe wie ‚Entschleunigung‘, ‚Meditation‘, ‚Work-Life-Balance‘ sind in aller Munde. Die Zeiten, wo es als schick galt tagsüber Geld zu scheffeln und abends bei einem Joint oder einer Linie Koks und gekauftem Sex abzuspannen… Heutzutage darf der Satz „Ich meditiere jeden Morgen 30 Minuten und mache dann nochmal 30 Minuten Sport“ in keinem Erfolgs-Interview mehr fehlen.

Statt ‚irgendwie‘ macht man’s mit dem-und-dem Rezept.

 

Doch was ist Spiritualität wirklich?

 

Eine Haltung des Geistes, die auf etwas über die (materielle) Welt Hinausgehendes ausgerichtet ist. Ein Wunsch zur Transformation des sowieso schon vorhandenen in etwas ‚Höheres‘. Am besten ohne das Wort ‚Religion‘ in den Mund zu nehmen. (Die ist ja angeblich Privatsache, aber das halte ich persönlich für eine Lüge. Doch dazu später mehr.)

Spirituelle Menschen wollen über die ‚Maya‘, die Formen der Welt hinausblicken. Sie wollen den Raum betreten, in dem diese Muster und Farben sich gegenseitig jagen. Sie wollen still werden und die Leinwand betrachten. Sich selbst als die Leinwand begreifen, auf der das Leben seine Spuren hinterlässt. Und dann vielleicht auch den Pinsel heben und den ein oder anderen Strich selbst hinzufügen. Um zu spüren, dass wir Schöpfer sind. Dass unser Leben einen tieferen, verborgenen Sinn birgt wie ein Marmorklotz die berühmte Statue.

 

Und das Karussell?

 

Dreht sich derweil munter weiter… Denn zwischen Meißel und Klotz und Hand liegen die dunklen Abgründe unserer Ängste, Verwirrungen und Unsicherheiten.

Das Leben selbst scheint sich für unsere spirituellen Ambitionen nicht im geringsten zu interessieren. Das Überleben fordert gar ein Dach über dem Kopf und regelmäßige Mahlzeiten! Die Kinder wollen Aufmerksamkeit, der Ehepartner Liebe, die Eltern, dass Du ihnen keine Schande machst. Wo also sollst du ansetzen? Dass Du Yoga machst, ist noch akzeptabel, dass Du mit Engeln redest eher nicht? In den einen Kreisen wirst du schief angeschaut, wenn du Sonntags in die Kirche gehst, in anderen wenn du Sonntags nicht in die Kirche gehst. In manche musst Du schon aus der Kirche austreten und mindestens zum Buddhismus konvertieren, wenn Du dazugehören willst.

Doch selbst dies alles ist noch Welt als Form. Es ist nur eine Tür, die Du nach belieben öffnen oder schließen kannst. Und der es herzlich egal ist, ob Du das eine oder das andere machst.

Aber Dir ist es nicht egal.

 

Was nun?

 

Atme, lockere Deine Schultern, dreh Deinen Kopf nach links und rechts, aber achtsam bitte… Du hast einen Weg im Leben, so wie jeder andere Mensch auch. Ob Spiritualität zu diesem Weg dazugehört und in welcher Form entscheidest Du.

Und es gibt sehr wohl einige Orientierungspunkte. So wie die Erde Kontinente hat, hat auch das Innenleben eines Menschen bestimmte Flächen (oder Räume oder wie auch immer man das nennen soll). Da gibt es das Land Deines Körpers. Das Meer Deiner Gefühle. Und die Atmosphäre Deiner Gedanken.

Es gibt viel zu entdecken und noch mehr zu erleben auf dieser Pilgerfahrt, die wir mit unserem ersten Atemzug beginnen. Lass uns – wenn Du magst – gemeinsam ein Stück des Weges wandern. Von mir aus sehr sehr gern.

 

„Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.“

Hermann Hesse

 

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