spiritgap.de | Zen und der „Schwarze Block“ – wer hat Hamburg wirklich verwüstet?
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11. Juli 2017

Zen und der „Schwarze Block“ – wer hat Hamburg wirklich verwüstet?

 

„Auch wenn der Ort,
an dem wir die Versenkung üben,
sehr klein ist,
enthält er doch das ganze Universum.

Auch wenn unser Geist begrenzt ist,
enthält er doch
die Grenzenlosigkeit.“

Zen-Meister Sekito

 

Was war los im Sommer 2017 in der Hansestadt Hamburg in Deutschland? Werden sich die Historiker später vielleicht fragen. Die obersten Repräsentanten der führenden Nationen des Planeten Erde fanden sich in der Stadt ein zu einer Art ‚Workshop‘. Es sollte um nichts weniger gehen als um das Schicksal der Welt…

Doch die Ergebnisse dieses Treffens hielten sich eher in Grenzen, während ein anderes Szenario die Herzen und Köpfe der Menschen gefangen nahm. Nämlich das, was sich während des Treffens auf Hamburgs Straßen abspielte:

Vermummte Gestalten zogen durch die Straßen, machten kaputt, zündeten an, plünderten. Der Schaden traf zumeist jene, die selbst nicht so viel haben. Die Bilder der brennenden Haufen, fliegenden Steine und von Hundertschaften von Polizisten geisterten durch das Internet.

Und nur ein paar Tage später streiten sich alle, ob das „Linke“ waren oder „Arschlöcher“. Ob das „inszeniert“ war oder „echt“. Ob von der Polizei „provoziert“ oder von Anfang an „geplant“.

 

Deutschland, dein Schatten…

 

Während ich die Diskurse mit meiner Aufmerksamkeit streife, die Stimmung(en) erfühle, die Konflikte registriere, drängt sich mir die ganze Zeit ein Bild auf… Der „Schwarze Block“ ist geradezu ein Sinnbild für ein Phänomen, das C.G. Jung – einer der großen Vorreiter der Psychologie – als „Schatten“ bezeichnete.

Ich habe diesem Artikel darum ein Zitat aus dem Zen vorangeschickt, um das Feld zu ebnen für eine harte These:

Was in Hamburg geschah, ist eine Spiegelung der verdrängten Anteile unseres kollektiven Unbewussten, das sich gewaltsam Bahn zu brechen beginnt…

Wer sind diese vermummten Gestalten? – Bin ich die einzige, die eine demographische Analyse interessieren würde?

 

Hinter der Maske

 

Es sind junge Leute. Männlich, hauptsächlich. Viele von ihnen sind extra angereist – also haben sie Zeit. Also haben sie Geld. Sie haben ein enormes destruktives Potential, also sind sie wütend. Sie zerstören das Privateigentum der „Kleinen Leute“, also haben sie wenig Empathie. Wenig Sinn für Gerechtigkeit. Das Politikum des „Anti-Kapitalismus“ ist hier ein Deckmäntelchen. Die „linke Gesinnung“ nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.

 

Wessen Kinder sind sie?

Wer hat sie aufgezogen?

Und wie sind sie aufgewachsen?

Mussten sie jemals in ihrem Leben für ihr täglich Brot kämpfen?

Haben sie Wertschätzung gelernt?

 

Anscheinend nicht. Auf mich wirken sie wie jene Kinder, die (angeblich!) „alles hatten“. Ihr eigenes Zimmer und ihren eigenen Fernseher. Das neueste Handy und die aktuellsten Markenklamotten. Play-Station und ganze Regale voller Spiele dafür. Mag sein, dass ich mich irre – aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Kinder „armer“ Eltern auf die Idee kommen würden, Kleinwagen anzuzünden, die auf der Straße parken…

Nein. Ich glaube, es sind die Kinder der „Bonzen“, die ihrer Wut freien Lauf lassen. Wut auf Eigentum, stellvertretend für die Wut auf ihre Eltern, die ihnen Dinge kauften, statt Zeit mit ihnen zu verbringen. Es wird nur jemand so wütend, der nicht gesehen wird. Es geht nur jemand so dermaßen empathielos, der selbst keine Empathie erfahren hat.

 

Schaut hin, es sind Eure Kinder!

 

Kein Mensch wird als „Arschloch“ geboren.

Und ob es uns passt oder nicht: Hier zeigt sich die Kehrseite der sauberen gesellschaftlichen Fassade, hinter der sich alle Empörungswütigen jetzt verkriechen. Versteht mich nicht falsch, ich würd im Strahl kotzen, wenn jemand mein Auto anzünden würde! (Ich würd auch ernsthaft in Erwägung ziehen, denjenigen anzuzünden…) Aber das ist nur die eine, die persönliche Ebene.

Und es gibt noch eine andere Schicht, in welcher der „Schwarze Block“ all das verkörpert, was ich niemals sein wollen würde. Und da ist er auch schon: der Schatten.

 

Empathie bis zur Schmerzgrenze

 

Empört euch so viel ihr wollt. Sucht weiter fleißig nach Schuldigen. Das bringt alles nichts. Dieses Problem wird erst dann seine Lösung finden, wenn wir erkennen, dass dieses Ungeheuer ein Furunkel ist, der an unserem eigenen Hintern wächst. Sorry.

 

„Zen steht jenseits aller Widersprüche. Es enthält und überschreitet sie. These, Antithese, Synthese, und darüber hinaus.“

— aus Za-Zen: Die Praxis des Zen*

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